Firmung

Firmung vernetzt....es braucht ein ganzes Dorf

Firmung vernetzt....es braucht ein ganzes Dorf

Konzept der Seelsorgeeinheit Etschtal -Tschöggelberg

 

Firmung vernetzt…es braucht ein ganzes Dorf

 

Hintergrund-Gedanken bei der Entwicklung des Konzeptes

  1. Die Realität der Jugendlichen

Viele Jugendliche fühlen sich in der Kirche fremd, kommen sich in ihr vor wie in einer frommen Parallelwelt, in der sie nicht zu Hause sind.

Sie stoßen auf:

  • einen fremden Sprachcode
  • ungewohnte musikalische Stile
  • eine eigene Ästhetik
  • auf ihren virtuellen Plätzen ist die Kirche nicht zu finden
  1. Katechese bedeutet „die Vermittlung der christlichen Botschaft“ – Kennen ich das Eigene?

Katechese führt in den Glauben ein, vertieft und festigt ihn. Sie ist prozesshaft angelegt, situations- und erfahrungsbezogen und umfasst alle Bereiche des christlichen Lebens: Sie fördert die Kenntnis des Glaubens und die bewusste Teilhabe am kirchlichen Leben (Liturgie, Spiritualität, Verkündigung, christliche Verantwortung, Mission). Ziel der Katechese ist es, jemanden nicht nur in Kontakt, sondern in Gemeinschaft mit Jesus Christus zu bringen.

Das im Blick behalten der eigenen Authentizität:

  • Was bedeutet Kirche für uns als Glaubensgemeinschaft, für jeden Einzelnen?
  • Kenne ich die Grundpfeiler der katholischen Kirche?
  • Warum bin ich Teil dieser Kirche?
  • Warum sollen junge Menschen sich bewusst für diese Gemeinschaft entscheiden?
  • Was „begeistert“ mich an dieser Kirche?
  • Kann ich, können wir als Gemeinschaft benennen was uns ausmacht?
  • Was kann Kirche generell anbieten?

Wie kann Firm-vorbereitung in den 8 Pfarreien gelingen?

Firm-Katechese kann gelingen, wenn der Glauben an den Dreifaltigen Gott in den Lebenswelten der Jugendlichen verortet wird und wenn sich viele Menschen, welche die Initiationssakramente empfangen haben mit ihren Fähigkeiten, Kompetenzen und Lebenserfahrungen einbringen – also ein ganzes Dorf!

Das heißt also, dass Entwicklungsschritte und Lösungen immer vor Ort für eine ganz konkrete Situation und im Miteinander gefunden werden müssen – wenn man so will in jeder Pfarrei individuell, denn Glaube bedeutet untereinander Beziehung knüpfen und Authentizität aller Beteiligten.

Es soll also ein Firm-Weg sein, der nahe bei den Jugendlichen ansetzt und von Jugendlichen mit entwickelt wird – ein Weg auf Augenhöhe mit Partizipations-Möglichkeiten. Die Jugendlichen sind Experten zahlreicher Methoden und sollen damit aktive Subjekte der Firm-Katechese sein. Hintergrund sollen ihre Lebens- und Glaubenskompetenzen sein und ein regelmäßiger Kontakt der Firmlinge untereinander, denn davon hängt das Gelingen ab!

Es braucht dazu viele Menschen, unterschiedlicher Generationen der Glaubensgemeinschaft, denn es geht um die Eingliederung von jungen Menschen in eine Gemeinschaft von Getauften und ein Bauen auf Wissen, Erfahrung und gelebter Praxis. Dazu müssen eigentlich alle Mitglieder der Gemeinschaft „Christus bekennen“ und durch Engagement, in welcher Form auch immer, ihren eigenen Glauben bezeugen und junge Menschen an ihren Glaubenserfahrungen, mit all ihren Höhen und Tiefen teilhaben lassen. So müssen in dieser Vernetzheit die Grundvollzüge der Kirche Liturgia, Diakonia, Martyria als Cainonia zum Tragen kommen. Es muss ein gemeinsames Leben des Glaubens sein, denn sonst sind wir als Glaubensgemeinschaft „unglaubwürdig“ und können nicht begeistern!

 

Ziele
 

Jugendliche untereinander ins Gespräch bringen und anregen sich über ihr Leben und ihren Glauben auszutauschen und Einblick in die Glaubensgemeinschaft erhalten. Dabei ist, wie schon erwähnt der Austausch mit den Mitgliedern und der authentische Miterleben des Glaubenslebens wichtig. Schließlich sollen sie sich für einen Weg in der Glaubensgemeinschaft der Christen entscheiden und gestärkt durch den Glauben und dem Heiligen Geist ein Leben im Vertrauen auf Gott und die Gemeinschaft der Kirche gehen können.

 

Die Rolle der Firm–Katecheten/innen

Sie sind:

  • keine Experte in Glaubensfragen, sondern Begleiter/innen auf einem Glaubensweg, mit all seinen Herausforderungen
  • keine Macher des Glaubens, sondern Menschen, der auf das Wirken des Heiligen Geistes vertrauen
  • keine Weiser, die alle notwenigen Schritte zur Glaubensfindung kennen, sondern Menschen, die sich die Hürden des Glaubens stellen und auch zu ihrem Hadern mit Gott stehen
  • keine Einzelgänger, welche die Firmung alleine stemmen müssen, sondern Teamplayer, die ihre eigene Fähigkeiten kennen und bereit sind diese für etwas großes Ganzes einzusetzen

Leitgedanken:

Papst Franziskus ermutigt Menschen zum hoffnungsvollen Aufbruch und das ist das, was wir heute brauchen um wieder begeistern zu können. Er schreibt im apostolischen Schreiben über die Verkündigung in der Welt von heute „Evangelii Gaudium“:

Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt der Selbstbewahrung dient. Die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür sorgen, dass sie alle missionarisch werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist. Dass sie die in der Seelsorge Tätige in eine ständige Haltung des Aufbruchs versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet.“ Es geht also darum Menschen dabei zu begleiten, dieses Glaubensgeheimnis zu entdecken, zu verstehen und zu feiern.

 

5 Grundsäulen des Firm-Weges

 

Vernetzt sein mit mir - Die eigene Originalität entdecken und stärken

Vernetzt sein mit Gott – Mit Gott auf Sendung

Vernetzt sein mit Jesus – Engagement für den Nächsten und die Schöpfung

Vernetzt sein mit dem Heiligen Geist – dem Heiligen Geist auf der Spur

Vernetzt mit der Kirche – Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind
 

1. Vernetzt mit mir - die eigene Originalität entdecken und stärken

Jeder Mensch ist ein Original und kommt mit einer geschenkten Identität und den dazugehörigen Stärken und Talenten in diese Welt. Oft begleiten jedoch Unsicherheit und Zweifel Jugendliche in dieser Lebensphase. Das Sakrament der Firmung möchte den jungen Menschen in seiner Persönlichkeit und Identitätsentwicklung stärken. Die Firmvorbereitung soll dazu beitragen, die Berufung des/der Einzelnen zu wecken und zu fördern. Die Gaben des Geistes ermächtigen den Firmling, seine Stärken für den Dienst in Kirche und Gesellschaft einzubringen. Es gibt Situationen, in denen das Leben »dichter« wird, weil grundlegende Entscheidungen anstehen oder Gefährdungen sichtbar werden, die den Menschen vor die Frage nach Heil und nach dem Sinn des Lebens stellen. Gerade in diesen Momenten braucht es Unterstützung. Aufgabe der Vorbereitung auf die Firmung ist es, den Glauben als Chance zu einem sinnvollen Leben zu erschließen.

2. Vernetzt mit Gott - mit Gott auf Sendung

Die Firm-Vorbereitung bietet die Chance, anders als beim Religionsunterricht im Klassenverband, in einem ungezwungenen Rahmen und in einer geschützten Atmosphäre über Glaubensfragen und persönliche Erfahrungen mit dem Glauben zu sprechen. Dies reicht von den Grundfragen des menschlichen Daseins über Inhalte des christlichen Glaubens (Tod und Auferstehung, Glaubensbekenntnis, Jesus Christus, Sakramente,...) bis hin zur Deutung sozial- und gesellschaftspolitischer Themen aus christlicher Perspektive – also Gott im Alltag finden

Auch die Offenheit und Toleranz bzw. den Dialog mit anderen Religionen gilt es zu stärken. Grundsätzlich soll die Auseinander-setzung mit Glaubensfragen von gegenseitiger Wertschätzung geprägt sein – Gottesbilder erforschen - Kritische Fragen dürfen und müssen in der Firmvorbereitung ihren Platz haben.

Es geht nicht darum, auf alles eine Antwort zu haben, sondern authentisch zu sein und offen zu sein, darüber zu sprechen. Die Auseinandersetzung mit der Kernbotschaft unseres Glaubens führt uns auch zu der Frage, ob die Menschen in unserer Nähe an unserem Leben erkennen können, dass es Gott wirklich gibt. Auch kommt die Frage auf, ob wir uns trauen, den Mit-menschen im persönlichen Gespräch den christlichen Glauben als Antwort auf ihre Lebensfragen anzubieten und von Gottes Wirken in unserem Leben zu berichten.

3. Vernetzt mit Jesus - Das Engagement für die Nächsten und die Schöpfung

Christliche Werte werden dort vermittelt, wo sie nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt werden. Dazu gehören Toleranz und Dialogbereitschaft, Gottesliebe, Selbst-liebe und Nächstenliebe sowie die Achtung vor der Schöpfung und allen Geschöpfen. Viele junge Menschen verspüren in sich einen Wunsch, die Welt ein Stück besser zu machen und konkret anzupacken. Die eigenen Talente und Fähigkeiten können bewusst für die Bedürfnisse der Welt eingesetzt werden. Die jungen Menschen spüren, dass sie gebraucht werden und können durch gemeinsame soziale Projekte mit- und voneinander lernen. Die Firmlinge sollen ermutigt werden, ihren eigenen Standpunkt zu vertreten, ihre Verantwortung für ein gelingendes Zusammenleben wahrzunehmen und Zivilcourage zu üben.

 

4. Vernetzt mit dem Heiligen Geist - Dem Heiligen Geist auf der Spur

Der Heilige Geist wirkt von Anbeginn im Leben der Firmlinge. Er ist überall dort zu »erkennen«, wo Leben entsteht, wo Zuversicht, Freude, Liebe und Hoffnung sich breit machen. Dann, wenn sich ein Mensch ganz angenommen und geliebt weiß, wenn er Heil und Versöhnung erfährt, wenn sich neue Wege für ihn auftun und jemand aufzustehen vermag und dabei seine Talente einsetzen kann, dann ist der Geist Gottes am Werk. Diesem Wirken des Geistes, das auch zu einer tieferen, persönlichen Gottesbeziehung hinführt, sollen die Firmlinge in ihrer eigenen Biografie auf die Spur kommen. Erst dann können sie darüber nachdenken, wie die Gaben des Geistes konkret in ihrem Leben und Alltag entfaltet werden können. Die »erinnerte« Erfahrung des Heiligen Geistes im eigenen Leben wird im Empfang der Firmung besiegelt und gefeiert.

 

5. Vernetzt mit der Kirche »Wo zwei oder drei beisammen sind« Christsein in Gemeinschaft

Jesus Christus hat uns in seine Nachfolge und seine Gemeinschaft gerufen. Diese Erfahrung von Gemeinschaft und Beziehung ist auch ein zentraler Aspekt der Firmvorbereitung. In gelebter Gemeinschaft kann in den Jugendlichen der Wunsch wachsen, voll aus der Freundschaft mit Christus zu schöpfen und den christlichen Glauben gerne mit anderen Menschen zu teilen. Firmlinge brauchen den Rückhalt und das Getragen-Sein in einer Gemeinschaft. Dies zeigt sich auf verschiedenen Ebenen:

 

Konkrete Umsetzung - Rahmenbedingungen
 

Der Weg in Richtung Firmung wird in 3 Phasen gegliedert:

  1. Check-in-Phase
  2. intensive Firmvorbereitung
  3. Firmung

Vor jeder Phase gibt es die Möglichkeit, dass sich Jugendliche ab dem 13 Lebensjahr zum Firm-Weg bei den jeweiligen Gruppenleitern bzw. Leiterinnen der zuständigen Pfarrei anmelden (konkrete Termine werden rechtzeitig kommuniziert).

Zentral ist, dass die jungen Menschen sich aufgrund einer bewussten und selbst getroffenen Entscheidung für diesen Weg bzw. die entsprechende Phase melden, aber auch die Option haben, jeder Zeit sich wieder abzumelden. Hilfreich ist es sicher, wenn Eltern und Paten die Jugendlichen, mit dem Wissen, um das Versprechen bei der Taufe ihr Kind im christlichen Glauben zu erziehen (vgl. CIC can. 872), auf verschiedenster Art und Weise begleiten und unterstützen.

Der konkrete Weg, gegliedert in den erwähnten 3 Phasen, beinhaltet 10 Treffen in der jeweiligen Pfarrei, der Seelsorgeeinheit oder mit Unterstützung anderer Partnersystemen (JD Mittleres Etschtal und Bozen Land, SKJ, Young-Caritas, Katechetischen Amt der Diözese Bozen Brixen) in gezielt gewählten Orten oder bewusst gewählten Referenten mit theologischer Ausbildung.

Mit Unterstützung der Pastoralassistentin, mit konkretem Auftrag “Begleitung des Firm-Weges”, dem Mit-Wirken vieler Getauften unterschiedlicher Generationen und einer aktiven Kerngruppe von engagierten Eltern und Pfarreimitgliedern können Jugendliche ein lebendiges Glaubensleben erfahren und erleben.

Sie sollen eine aktive Glaubensgemeinschaft kennen lernen und damit auch die Grundvollzüge der Kirche Liturgia, Diakonia, Martyria als Cainonia. Es soll also ein Firm-Weg sein, der nahe bei den Jugendlichen ansetzt und von Jugendlichen mit entwickelt wird – ein Weg auf Augenhöhe mit Partizipations-Möglichkeiten.

Die Jugendlichen sind Experten zahlreicher Methoden und sollen damit aktive Subjekte der Firm-Katechese sein. Hintergrund sollen ihre Lebens- und Glaubenskompetenzen sein und ein regelmäßiger Kontakt der Firmlinge untereinander, denn davon hängt das Gelingen ab! Mit Berücksichtigung dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der pastoralen Kinder- und Jugendarbeit und der Richtlinien “der neue Firmweg” der Diözese Bozen Brixen wurde ein Konzept für die Seelsorgeeinheit (“Firmung vernetzt...es braucht ein ganzes Dorf”) erarbeitet, das für alle Gruppen in den Pfarreien bindend ist.

Nach Vollendung des 16. Lebensjahres, protokolierter Teilnahme an 10 angebotenen Treffen und einem abschließenden Gespräch mit der Pastoralassistentin bzw. der Bitte um die Firmung bei Dekan Leiter Seppl kann das Sakrament der Firmung gespendet bzw. empfangen werden. Dabei sind nicht eine Altersgruppe bzw. eine gewisse Anzahl an Jugendlichen in einer Pfarrei ausschlaggebend, sondern der ausdrückliche Wunsch und die Bitte des jungen Menschen um das letzte der 3 Initiationssakramente “die Firmung”.

Weitere Infos: Dekan Seppl Leiter oder Pastoralassistentin Krimhild Pöhl

 

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Ottilia Costanzi
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